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Falschmeldung über angebliche Kürzung des indischen AKW-Programms auf ein Drittel

Selbst atomkritische Medien verbreiteten die Falschmeldung, die indische Regierung habe im April 2018 ihre AKW-Pläne auf ein Drittel gekürzt. Tatsächlich wurden die Ausbauziele auch nicht minimal reduziert. Die Modi-Regierung wird allerdings nur einen Teil der geplanten AKWs bauen können.

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Macron und Modi wollen das AKW, die Menschen in Jaitapur nicht

Anlässlich Macrons Staatsbesuch in Indien bestätigten die beiden Regierungschefs, dass in Jaitapur das größte AKW der Welt gebaut werden soll. Die nun schon zehn Jahre andauernden Verhandlungen sollen wieder einmal forciert werden. Wieder wurde anlässlich des Staatsbesuches ein Abkommen geschlossen: EdF soll Pläne, Technik und Komponenten für die ersten beiden Reaktoren liefern, bei den vier weiteren Reaktoren soll der Anteil der in Indien gefertigten Komponenten gesteigert werden. Dazu wurden Maßnahmen für den Technologietransfer und die Qualifizierung indischer Fachkräfte vereinbart.

Von den Kosten für die sechs Reaktoren ist keine Rede. Da liegen die Vorstellungen der beiden Seiten nach wie vor weit auseinander. Der Preis für den Atomstrom aus Jaitapur würde zwei- bis dreimal so hoch sein wie Solarstrom. EDF konnte bisher kein Angebot vorlegen. Nach den Erfahrungen in Olkiluoto, Flamanville und Taishan wird EDF in Jaitapur nicht die Verantwortung für den Bau der AKWs übernehmen. Das Risiko soll die indischen Seite tragen. Diese weist immer wieder daraufhin, dass EDF keine erfolgreiches Referenzprojekt vorweisen kann.

Einige Pressemeldungen nennen „Streitigkeiten über Landrechte und Protesten von Umweltaktivisten” als Ursache für das bisherige Scheitern des AKW-Projekts Jaitapur.

Mit einer Demonstration am 10.März bekräftigten die betroffenen Menschen in der Gegend um Jaitapur ihre Ablehnung der Atompläne.

Informationsquellen: NZZ, ToI

Wahlboykott gegen AKW-Pläne

Die WählerInnen in Chutka (Madhya Pradesh) haben am 17. Januar 2018 die Kommunalwahlen boykottiert. Sie fordern die Einstellung aller Vorarbeiten für die geplanten Atomkraftwerke. Bis auf einige Staatsbedienstete, wie Lehrer, beteiligte sich in Chutka niemand an den Wahlen. Die Beamten erklärten öffentlich, auf sie sei massiver Druck ausgeübt worden. Die Menschen in Chutka folgten auch nicht der Bitte der Wahlleitung, auf den Wahlmaschinen wenigstens den NOTA-Knopf zu drücken. Solange ihre Forderungen ignoriert würden, würden sie keine Wahlmaschine mehr anfassen. NOTA steht für “None Of The Above” (= keine Partei, bzw. kein Kandidat auf der Liste). In Chutka sollen mehrere 700-Megawatt-Reaktoren gebaut werden.

Bericht dazu auf Dianuke.org.

Indische Adivasi an der Narmada sollen zum zweiten Mal vertrieben werden – diesmal für ein Atomkraftwerk

von Kumar Sundaram

Das geplante Atomkraftwerk von Chutka im überwiegend von Ureinwohnern bewohnten Landkreis Mandla in Zentralindien wird hunderte Menschen zum zweiten Mal vertreiben und die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen. Gegen dieses Unrecht und die Bedrohung ihrer Sicherheit und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen haben die DorfbewohnerInnen einen entschlossenen und erbitterten, doch gewaltfreien Kampf aufgenommen.

Als im Juli 2017 Ingenieure des staatlichen AKW-Betreibers NPCIL (Nuclear Power Corporation India Limited) das Dorf Chutka aufsuchten, um Proben für die Untersuchung des Baugrunds zu entnehmen, versammelten sich schnell dutzende Frauen und verjagten  die Ingenieure.

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Kudankulam: Atomkraft unzuverlässiger als Windenergie

Die Stromerzeugung im AKW Kudankulam sei höchst unzuverlässig, schlechter als bei der Windenergie. Eine Planung der Stromversorgung mit den beiden Meilern sei nicht möglich, klagte ein Vertreter des staatlichen Stromversorgungsunternehmens Tangedco.

Nur wenige Tage nachdem in den Medien gefeiert worden war, dass beide Blöcke erstmals gleichzeitig ihre Nennleistung erbringen, musste Block 1 am 10. Dezember 2017 wegen technischer Probleme wieder heruntergefahren werden.

Quelle: https://timesofindia.indiatimes.com/city/chennai/power-generation-hit-at-kudankulam-nuclear-plant-after-technical-snag/articleshow/62031195.cms

Baubeginn AKW Ruppur – Bangladesch bekämpft Armut mit Atomkraft

Am 30. November 2017 wurde mit dem ersten Betonguss der Baubeginn des ersten Atomkraftwerkes in Bangladesch gefeiert. 160 km nordwestlich von Dhaka, 30 km von der indischen Grenze entfernt baut der russische Staatskonzern Rosatom das AKW Ruppur: zwei Reaktoren vom Typ VVER 1200. In 6-7 Jahren sollen sie ans Netz gehen. Finanziert wird der Bau mit russischen Staatskrediten. Einschließlich Zinsen soll Bangladesch zunächst bis zu zwanzig Milliarden US-Dollar für das AKW bezahlen (energybangla). Kosten für Wartung, Brennelemente, Rücknahme des Atommülls sind dabei nicht berücksichtigt.

Erstmals wird sich Indien am Bau von Atomkraftwerken im Ausland beteiligen. Bisher ist die Ausbildung von Expertinnen in Kudankulam vereinbart. Künftig will Indien auch Komponenten liefern (hindustantimes).

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Weiterhin lokaler Protest gegen das AKW Jaitapur

Am 20. August 2017 protestierten über tausend Menschen mit einer “Jail Bharo”-Aktion gegen das geplante AKW Jaitapur. Der Protestzug in Richtung Bauplatz startete in Sakhri Nate. Nach vier Kilometern wurde eine Kundgebung abgehalten, bei der auch eine Solidaritätsadresse aus Frankreich verlesen wurde. Zurück nach Nate ging es dann in von der Polizei bereitgestellten Bussen.

“Jail Bharo” lässt sich in etwa mit “Füllt die Gefängnisse” übersetzen. Üblicherweise beginnt eine solche Aktion mit einer Regelverletzung, nach der dann alle Protestierenden auf ihrer Festnahme bestehen. In Jaitapur ist diese nicht mehr notwendig, “Jail Bharo” wurde im Laufe der Jahre zu einer ritualisierten Protestform.

Der Staat nutzte den Protest zu einer Machtdemonstration. Schon bei einer Versammlung am Vorabend des Protestes zeigte die Polizei starke Präsenz in Sakhri Nate. Die Demonstration und die anschließende Versammlung wurden durchgängig mit Drohnen überwacht. Ein Novum in Jaitapur.

Satyajit Chavan, Sprecher der örtlichen Protestorganisation, betonte die Unabhängigkeit von allen politischen Parteien. Das ist eine bemerkenswerte Distanzierung von der hindunationalistischen Shiv-Sena-Partei, die in der Region großen Einfluss hat und auch den Bau des AKW Jaitapur ablehnt.

Mit dem Bau des AKW geht es nicht voran. Seit Jahren wird über Kosten und Haftung verhandelt. Neuerdings wollen Areva/EDF nicht mehr die Verantwortung für das Projekt übernehmen. Diese soll bei der indischen Betreibergesellschaft NPCIL liegen. Der Lieferung minderwertiger Komponenten, die europäischen Standards nicht genügen, wäre natürlich ein gutes Geschäft für die dahinsiechende europäische Atomindustrie.

Fotos: Fakir Mohammad Solkar

Weitere Informationen: Dianuke und The Hindu

Neue AKWs kaputt – kein Strom aus Kudankulam

Nach seiner Wiederinbetriebnahme am 11. April 2017 produzierte das AKW Kudankulam 2 nicht einmal einen Monat lang. Am Donnerstag, dem 4. Mai 2017, war es wieder soweit: Das AKW musste heruntergefahren werden. Die Turbine müsse repariert werden, hieß es am Freitag. Am Samstag wurde mitgeteilt, Dampf und Wasser seien ausgetreten. Der Reaktor müsse heruntergekühlt werden, bevor Reparaturarbeiten durchgeführt werden könnten. Am 11. Mai werde das AKW wieder hochgefahren.

Das AKW Kudankulam 1 wurde schon am 13. April heruntergefahren, angeblich für eine 72 Tage dauernde Jahreswartung – ausgerechnet in der heißen Jahreszeit, wenn der Strombedarf in Südindien am höchsten ist.

Derzeit liefert im Bundesstaat Tamil Nadu nur das AKW MAPS 2 in Kalpakkam Strom, MAPS 1 wird seit dem 19. März 2017 gewartet.  Atomstrom ist zuverlässig: Die AKWs in Tamil Nadu liefern zur Zeit immerhin fast 8 Prozent ihrer Nennleistung (190 von 2440 MW).

Kudankulam-2 kommerziell “in Betrieb”

Am 31. März 2017 ging das AKW Kudankulam-2 kommerziell “in Betrieb” – aber nur bis 0:58 Uhr am 3. April 2017. Da war die erste Notabschaltung nach Beginn des kommerziellen Betriebs fällig (“to rectify the passing of steam dump valves to condenser in secondary side”, SLRDC).

Kudankulam-1 war seinerzeit besser: Es musste im Januar 2015 erst vierzehn Tage nach Beginn des kommerziellen Betriebs abgeschaltet werden. Das funkelnagenlneue Kraftwerk lieferte im ersten Jahr seines “Betriebs” gerade einmal 40 Prozent der Soll-Leistung (IAEA PRIS).

“Kommerziell im Betrieb” heißt eben nicht, dass so ein AKW auch wirklich Strom liefert. Das Nuklearforum Schweiz behauptet in seiner Meldung zu Kudankulam, in Indien seien gegenwärtig 22 Reaktoren in Betrieb. Eines davon ist das AKW Rajasthan-1, das 2004 zum letzten Mal Strom lieferte.

Kakrapar: AKW hat Pocken

Am 23. März 2017 berichtete die englische MailOnline, indische Atomkraftwerke hätten sich mit Pocken infiziert. Zwei AKWs in Kakrapar seien deshalb abgeschaltet worden. Pocken seien eigentlich weltweit ausgerottet. Allerdings werde befürchtet, in den 80er Jahren hätten Terroristen Pockenviren aus russischen Laboren entwendet.

Diese schräge Geschichte hat leider einen realen Hintergrund: Am 11. März 2016 löste ein Kühlmittelverlust im Block 1 des AKW Kakrapar eine Notabschaltung und einen Alarm im Atomkraftwerk aus. Seither sind beide Blöcke des AKW außer Betrieb, Block 2 war schon seit Juli 2015 in der “Jahreswartung”. Auch heute sind die Ursachen für den Kühlmittelverlust völlig unklar.

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