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Indische Adivasi an der Narmada sollen zum zweiten Mal vertrieben werden – diesmal für ein Atomkraftwerk

von Kumar Sundaram

Das geplante Atomkraftwerk von Chutka im überwiegend von Ureinwohnern bewohnten Landkreis Mandla in Zentralindien wird hunderte Menschen zum zweiten Mal vertreiben und die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen. Gegen dieses Unrecht und die Bedrohung ihrer Sicherheit und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen haben die DorfbewohnerInnen einen entschlossenen und erbitterten, doch gewaltfreien Kampf aufgenommen.

Als im Juli 2017 Ingenieure des staatlichen AKW-Betreibers NPCIL (Nuclear Power Corporation India Limited) das Dorf Chutka aufsuchten, um Proben für die Untersuchung des Baugrunds zu entnehmen, versammelten sich schnell dutzende Frauen und verjagten  die Ingenieure.

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Kudankulam: Atomkraft unzuverlässiger als Windenergie

Die Stromerzeugung im AKW Kudankulam sei höchst unzuverlässig, schlechter als bei der Windenergie. Eine Planung der Stromversorgung mit den beiden Meilern sei nicht möglich, klagte ein Vertreter des staatlichen Stromversorgungsunternehmens Tangedco.

Nur wenige Tage nachdem in den Medien gefeiert worden war, dass beide Blöcke erstmals gleichzeitig ihre Nennleistung erbringen, musste Block 1 am 10. Dezember 2017 wegen technischer Probleme wieder heruntergefahren werden.

Quelle: https://timesofindia.indiatimes.com/city/chennai/power-generation-hit-at-kudankulam-nuclear-plant-after-technical-snag/articleshow/62031195.cms

Baubeginn AKW Ruppur – Bangladesch bekämpft Armut mit Atomkraft

Am 30. November 2017 wurde mit dem ersten Betonguss der Baubeginn des ersten Atomkraftwerkes in Bangladesch gefeiert. 160 km nordwestlich von Dhaka, 30 km von der indischen Grenze entfernt baut der russische Staatskonzern Rosatom das AKW Ruppur: zwei Reaktoren vom Typ VVER 1200. In 6-7 Jahren sollen sie ans Netz gehen. Finanziert wird der Bau mit russischen Staatskrediten. Einschließlich Zinsen soll Bangladesch zunächst bis zu zwanzig Milliarden US-Dollar für das AKW bezahlen (energybangla). Kosten für Wartung, Brennelemente, Rücknahme des Atommülls sind dabei nicht berücksichtigt.

Erstmals wird sich Indien am Bau von Atomkraftwerken im Ausland beteiligen. Bisher ist die Ausbildung von Expertinnen in Kudankulam vereinbart. Künftig will Indien auch Komponenten liefern (hindustantimes).

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Weiterhin lokaler Protest gegen das AKW Jaitapur

Am 20. August 2017 protestierten über tausend Menschen mit einer “Jail Bharo”-Aktion gegen das geplante AKW Jaitapur. Der Protestzug in Richtung Bauplatz startete in Sakhri Nate. Nach vier Kilometern wurde eine Kundgebung abgehalten, bei der auch eine Solidaritätsadresse aus Frankreich verlesen wurde. Zurück nach Nate ging es dann in von der Polizei bereitgestellten Bussen.

“Jail Bharo” lässt sich in etwa mit “Füllt die Gefängnisse” übersetzen. Üblicherweise beginnt eine solche Aktion mit einer Regelverletzung, nach der dann alle Protestierenden auf ihrer Festnahme bestehen. In Jaitapur ist diese nicht mehr notwendig, “Jail Bharo” wurde im Laufe der Jahre zu einer ritualisierten Protestform.

Der Staat nutzte den Protest zu einer Machtdemonstration. Schon bei einer Versammlung am Vorabend des Protestes zeigte die Polizei starke Präsenz in Sakhri Nate. Die Demonstration und die anschließende Versammlung wurden durchgängig mit Drohnen überwacht. Ein Novum in Jaitapur.

Satyajit Chavan, Sprecher der örtlichen Protestorganisation, betonte die Unabhängigkeit von allen politischen Parteien. Das ist eine bemerkenswerte Distanzierung von der hindunationalistischen Shiv-Sena-Partei, die in der Region großen Einfluss hat und auch den Bau des AKW Jaitapur ablehnt.

Mit dem Bau des AKW geht es nicht voran. Seit Jahren wird über Kosten und Haftung verhandelt. Neuerdings wollen Areva/EDF nicht mehr die Verantwortung für das Projekt übernehmen. Diese soll bei der indischen Betreibergesellschaft NPCIL liegen. Der Lieferung minderwertiger Komponenten, die europäischen Standards nicht genügen, wäre natürlich ein gutes Geschäft für die dahinsiechende europäische Atomindustrie.

Fotos: Fakir Mohammad Solkar

Weitere Informationen: Dianuke und The Hindu

Neue AKWs kaputt – kein Strom aus Kudankulam

Nach seiner Wiederinbetriebnahme am 11. April 2017 produzierte das AKW Kudankulam 2 nicht einmal einen Monat lang. Am Donnerstag, dem 4. Mai 2017, war es wieder soweit: Das AKW musste heruntergefahren werden. Die Turbine müsse repariert werden, hieß es am Freitag. Am Samstag wurde mitgeteilt, Dampf und Wasser seien ausgetreten. Der Reaktor müsse heruntergekühlt werden, bevor Reparaturarbeiten durchgeführt werden könnten. Am 11. Mai werde das AKW wieder hochgefahren.

Das AKW Kudankulam 1 wurde schon am 13. April heruntergefahren, angeblich für eine 72 Tage dauernde Jahreswartung – ausgerechnet in der heißen Jahreszeit, wenn der Strombedarf in Südindien am höchsten ist.

Derzeit liefert im Bundesstaat Tamil Nadu nur das AKW MAPS 2 in Kalpakkam Strom, MAPS 1 wird seit dem 19. März 2017 gewartet.  Atomstrom ist zuverlässig: Die AKWs in Tamil Nadu liefern zur Zeit immerhin fast 8 Prozent ihrer Nennleistung (190 von 2440 MW).

Kudankulam-2 kommerziell “in Betrieb”

Am 31. März 2017 ging das AKW Kudankulam-2 kommerziell “in Betrieb” – aber nur bis 0:58 Uhr am 3. April 2017. Da war die erste Notabschaltung nach Beginn des kommerziellen Betriebs fällig (“to rectify the passing of steam dump valves to condenser in secondary side”, SLRDC).

Kudankulam-1 war seinerzeit besser: Es musste im Januar 2015 erst vierzehn Tage nach Beginn des kommerziellen Betriebs abgeschaltet werden. Das funkelnagenlneue Kraftwerk lieferte im ersten Jahr seines “Betriebs” gerade einmal 40 Prozent der Soll-Leistung (IAEA PRIS).

“Kommerziell im Betrieb” heißt eben nicht, dass so ein AKW auch wirklich Strom liefert. Das Nuklearforum Schweiz behauptet in seiner Meldung zu Kudankulam, in Indien seien gegenwärtig 22 Reaktoren in Betrieb. Eines davon ist das AKW Rajasthan-1, das 2004 zum letzten Mal Strom lieferte.

Kakrapar: AKW hat Pocken

Am 23. März 2017 berichtete die englische MailOnline, indische Atomkraftwerke hätten sich mit Pocken infiziert. Zwei AKWs in Kakrapar seien deshalb abgeschaltet worden. Pocken seien eigentlich weltweit ausgerottet. Allerdings werde befürchtet, in den 80er Jahren hätten Terroristen Pockenviren aus russischen Laboren entwendet.

Diese schräge Geschichte hat leider einen realen Hintergrund: Am 11. März 2016 löste ein Kühlmittelverlust im Block 1 des AKW Kakrapar eine Notabschaltung und einen Alarm im Atomkraftwerk aus. Seither sind beide Blöcke des AKW außer Betrieb, Block 2 war schon seit Juli 2015 in der “Jahreswartung”. Auch heute sind die Ursachen für den Kühlmittelverlust völlig unklar.

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Stopp EPR – Proteste in Flamanville und in Jaitapur

Am letzten Wochenende demonstrierten in Frankreich und in Indien Tausende gegen AKW-Bau-Projekte der EDF.

Am 2.Oktober versammelten sich über 1.000 Menschen in der Nähe des Bauplatzes für das AKW-Jaitapur. Wie Vaishali Patil auf Facebook berichtet, votierten die AKW-GegnerInnen am Geburtstag Gandhis für eine gewaltfreie Strategie im Kampf gegen das EDF-Projekt. Auf der Versammlung berichteten Aktive aus Tarapur, dem Standort des ältesten indischen Atomkraftwerkes. Aus Mithi Virdi in Gujarat überbrachten vom dort geplanten AKW Betroffene eine Solidaritätsadresse. Über zwanzig Menschen unterstrichen ihre Entschlossenheit mit einem zweitägigen Hungerstreik.

In Flamanville demonstrierten am 1.Oktober 2016 rund 5.000 Menschen (mehr Infos). Dort versucht die EDF seit Jahren ein weiteres AKW vom Typ EPR zu bauen. Die Kosten haben sich inzwischen verdreifacht, die Bauzeit hat sich mehr als verdoppelt. Bekannte Qualitätsmängel könnten die Einstellung des Projektes erzwingen. An der Demonstration nahmen auch englische AKW-GegnerInnen aus Hinkley-Point teil. Für die zwei Hinkley-Point-Reaktoren wurden vor kurzem die Verträge unterschrieben.

Im westindischen Jaitapur sollen gleich sechs EPRs gebaut werden. Die indische Regierung erhofft sich einen Mengenrabatt. Bisher gibt es nur Absichtserklärungen, Vorverträge und eine Mauer um den Bauplatz.

Jharkhand: Unglück in Uranmine fordert drei Menschenleben

Am 28. Mai 2016 kamen bei einem schweren Unfall in der Turamdih Uranmine in der Nähe von Jaduguda in Jharkhand drei Arbeiter ums Leben. Ein Wassereinbruch in 250 Metern Tiefe war den Arbeitern zum Verhängnis geworden. Laut Aussagen der Betreiberfirma UCIL waren die Arbeiter dabei, Schlamm am Boden des Aufzugsschachtes zu beseitigen.

Den Vorwurf, die besessene Ausrichtung auf Kostensenkungen habe zu einer kriminellen Vernachlässigung grundlegender Sicherheitsmaßnahmen geführt, weist die UCIL von sich. Alle Betriebe der UCIL seien sicher. Die Produktion in der Turamdih Mine sei wieder aufgenommen worden. Für die durchschnittliche Tagesproduktion von 700 Tonnen sei der Unfall unerheblich. Die interne Untersuchung werde in wenigen Tagen abgeschlossen sein.

Die UCIL beschäftigt über Subunternehmen illegal Leiharbeiter auch in sicherheitskritischen Bereichen. Forderungen nach Einhaltung von Sicherheitsstandards beantwortet sie mit Repression. Der Uranabbau in Jharkhand zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung.

India’s nuclear dream is turning out to be a nightmare for Adivasis in Jharkhand – Scroll.in

Screams & silence, mine mishap toll 3 – The Telegraph

Production resumes at UCIL mine – Times of India

Entwarnung im AKW Kakrapar

Am 22. März teilte die indische Atomaufsichtsbehörde AERB mit, der Notstand im Atomkraftwerk Kakrapar sei aufgehoben. Das Leck sei isoliert. Die Brennelemente seien aus der defekten Druckröhre entfernt worden, berichtet die Betreibergesellschaft NPCIL. Eine erhöhte radioaktive Strahlung sei weder auf dem Fabrikgelände noch außerhalb zu beobachten gewesen. Bei den Reparaturarbeiten sei auch kein Beschäftigter einer unzulässigen Strahlendosis ausgesetzt worden. Die Messwerte wurden nicht veröffentlicht.

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